Onlinehandel boomt – aber wer prüft die Steuern?
Der E-Commerce wächst rasant und mit ihm die steuerlichen Herausforderungen. Ein aktueller Bericht des österreichischen Rechnungshofs zeigt deutlich: Während die Umsätze steigen, hinkt die Kontrolle hinterher.
Milliarden an Umsatzsteuer – kaum Kontrollen
Im Jahr 2023 nahm Österreich rund 1,26 Milliarden Euro Umsatzsteuer von ausländischen Onlinehändlern ein. Abgewickelt werden diese Meldungen überwiegend über das sogenannte One-Stop-Shop-System (OSS), das eine zentrale steuerliche Registrierung innerhalb der EU ermöglicht.
Ende 2024 waren etwa 148.000 Unternehmen registriert, um ihre Lieferungen nach Österreich über dieses System zu versteuern. Dennoch wurden bis Jänner 2025 lediglich 20 Außenprüfungen durchgeführt.
Eine strukturierte, automatisierte Risikoanalyse zur Auswahl prüfungswürdiger Fälle existiert laut Bericht nicht. Dadurch bleibt offen, ob die gemeldeten Umsätze vollständig und korrekt versteuert werden. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld für österreichische Betriebe, die deutlich häufiger kontrolliert werden.
IOSS und „Kleinsendungen“: Erhöhtes Betrugsrisiko
Besonders sensibel ist der Bereich der sogenannten Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten. Diese werden über das Import-One-Stop-Shop-Verfahren (IOSS) abgewickelt.
Hier zeigt sich ein weiteres strukturelles Problem: Zoll- und Steuerdaten sind vielfach nicht miteinander verknüpft. Dadurch ist eine Überprüfung, ob für einzelne Pakete tatsächlich die korrekte Umsatzsteuer entrichtet wurde, nur eingeschränkt möglich.
Gerade bei stark wachsenden Importvolumina – etwa aus Asien, entsteht dadurch ein erhebliches Ausfallsrisiko für den Fiskus.
Handlungsbedarf bei Ressourcen und Digitalisierung
Der Rechnungshof empfiehlt insbesondere:
personelle Verstärkung in der Steuerkontrolle
Einführung automatisierter Risikoanalysen
bessere Vernetzung von Zoll- und Steuerdaten
EU-weite Lösungen zur eindeutigen Zuordnung von Sendungen
Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und das Steueraufkommen langfristig abzusichern.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Für seriöse Onlinehändler zeigt sich einmal mehr:
Steuerliche Compliance wird zunehmend digital überwacht werden – auch wenn derzeit noch Lücken bestehen.
Gerade im grenzüberschreitenden E-Commerce sind saubere Prozesse bei:
OSS- und IOSS-Meldungen
korrekter Steuersatzanwendung
Dokumentation der Lieferorte
Nachweisführung bei Importen
entscheidend.
Die aktuelle Diskussion macht deutlich: Der Druck zur Systematisierung und Kontrolle steigt. Wer seine steuerlichen Abläufe frühzeitig professionell strukturiert, reduziert nicht nur Risiken, sondern schafft auch Planungssicherheit.
Wenn Sie im Onlinehandel tätig sind und Fragen zu OSS, IOSS oder zur umsatzsteuerlichen Behandlung grenzüberschreitender Lieferungen haben, unterstützen wir Sie gerne bei der rechtssicheren Umsetzung.
Hinweis: Es gelten die rechtlichen Vorschriften zum Stichtag 16.02.2026. Eine Anpassung an eventuelle rechtliche Änderungen wird in diesem Artikel nicht vorgenommen.
Quelle: ORF.at, RH: Milliardenumsätze im E-Commerce kaum geprüft
Mag. Dimitar Zlatev ist Steuerberater und Managing Director von Simplify Tax Steuerberatung. Er unterstützt Unternehmen und Privatpersonen in sämtlichen steuerlichen Fragen als kompetenter Partner. Bei komplexen Sachverhalten kreiert er verständliche und umsetzbare Lösungen.